Das erste auf das ich mich am Freitag freute war die Ankunft des Mini-Camcorders den ich über Amazon bestellt hatte. Ich habe ein wenig im Internet herum gelesen und mich dann für einen Vado HD entschieden. Vor allem weil der günstiger und kompakter als das Konkurenzmodell Flip Ultra ist. Wofür brauche ich nen Camcorder? Dazu noch so ein kleines Modell? Naja z.B. um auf Tour zu gehen und da mal was mitzuschneiden, außerdem ist das Ding wirklich klein und passt tatsächlich in die Hosentasche! Seinen ersten Einsatz sollte er dann gleich am Abend haben.
Vor einigen Monaten suchte ich in einem Anfall schlechter Laune nach möglichst komplett sinnloser Unterhaltung und so habe ich angefangen ab und zu etwas Wrestling zu schauen. Das habe ich zuletzt vor 15+ Jahren gemacht als ich in den Sommerferien immer die halbe Nacht TV geschaut habe. Ungefähr auf dem Niveau eines Teenager-Gehirns in den Sommerferien spielt sich das ganze ohnehin ab. Jedenfalls hatte von dem Rock’n'Roll Wrestling Bash nur gutes gehört und ein paar schöne Fotos gesehen und dachte mir, komm da gehst Du nun mal hin. Zumal auch noch ne Band spielt von der ich Leute kenne. Karte gekauft und ab nach Köln.
Als ich am Gloria ankomme ein Schock: Da ist eine lange Schlange vor dem Einlaß. Und mit lang meine ich: die ganze Straße runter und hinten fast noch um die Ecke. Locker 150 Meter, in Zweierreihen! Da bin ich zuerst in den Kiosk (auch hier natürlich ne Schlange) und habe ein Red Bull und Schokokekse gekauft und mich anschließend in die Reihe der Wartenden begeben. Leider tat sich da gar nichts. Die Schlange hat sich unheimlich langsam bewegt. Ich weiß gar nicht warum. Ach ja: zu allem Überfluß hat es auch noch geschneit. Da macht rumstehen natürlich besonders viel Spaß. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut aber das hat bestimmt 45 Minuten gedauert! Auf den letzten Metern ging es dann zwar auf einmal ganz schnell, aber ich verstehe nicht was da so lange gedauert hat. Es gab auch keine besonders umfangreichen Security Checks oder ähnliches. Naja ich war ja drin.
Ich suchte mir einen Platz vorne am Ring, was zugleich hieß vor der Bühne. Da blieb ich mehr oder weniger bis zum Ende der Show. Den Auftakt machten Hello Bomb die schon gut rockten. Anschließend wurde umgebaut und dann wechselten sich im Prinzip die Jungs von Nitrovolt und die Wrestlingshow ab für den Rest des Abends. Es gab also Livemusik und Ringen. Die GTWA heißt nicht umsonst die Galactic Trash Wrestling Association – der Trash-Faktor ist ungelogen enorm hoch! Alles ist völlig überzogen, die Kostüme, die Charaktere, die “Stories” usw.. aber halt auch unterhaltsam und lustig. Das Wrestling selbst ist nicht unbedingt auf WWE Level, aber ein paar schöne Moves gab es doch zu sehen. Was ich positiv fand war daß mehr oder weniger alles an Musik live gespielt wurde. Also auch z.B. die Einlaufmusik der Wrestler und die Untermalung während der Kämpfe. Heißt also nicht umsonst Rock’n'Roll Wrestling Bash! Der Sound war auch wirklich gut und Nitrovolt haben richtig Gas gegeben. Für so große Bühnen und fetten Klang ist Rock ja schließlich auch gemacht! Geil ist auch daß man direkt am Ring stehen kann und alles hautnah miterlebt. Um mal einen Kommentar zu zitieren “Das war der geilste Trash den ich seit langem gesehen habe” – dem ist nichts hinzuzufügen.
Ach ja: Ich hatte ja den Vado mit und habe einfach mal draufgehalten. Dann gestern mit dem Windows Movie Maker zusammengebastelt. Mein Computer kann mit HD nicht so wirklich umgehen (ist ja nur ein popliges Laptop) und ich habe keine Ahnung von Video. Qualität ist daher nur ganz ok, aber es gibt eine gute Vorstellung davon wie man sich den Abend so vorstellen muß:
Wie man sehen kann steht auf dem Flyer keine Uhrzeit und so dachte ich mir, 21 uhr passt doch eigentlich immer. Daher war ich schon etwas erstaunt als ich mit dem Hinweis ich sei der erste Gast begrüßt wurde! Das war auch mein allererster Besuch im Club Scheisse, obwohl ich schon oft dran vorbeigelaufen bin, liegt er doch sprichwörtlich um die Ecke vom Sonic Ballroom. Es ist mehr eine improvisierte Location, aber ich mochte sie sofort denn sie hat diesen Basement-Show Charakter wie ich ihn aus den USA kenne. Für Punkshows gibts nichts besseres. Negativ ist nur daß ich keine Cola kriege und mit Orangensaft vorlieb nehmen muss. Auf den schiebe ich meine heutigen Kopfschmerzen. So Zeug vertrag ich halt nicht.
Neben der Tatsache daß ich nichts besseres zu tun hatte war der erste Auftritt der Underparts der Hauptgrund für meinen Besuch. Das ist die neue Band mit Leuten von Deny Everything und The Dimensions. Hat nen gewissen Pop-Punk Einschlag und daher werden sie auch als Supportband beim Dear Landlord Konzert was ich im Mai in Bonn mache spielen. Und nach der Show gestern kann ich nur sagen daß ich mich wirklich auf den Auftritt im Bla freue denn was sie abgeliefert haben war sehr unterhaltsam! Die Band lebt davon daß der Sänger einfach alles gibt! Er rannte ins Publikum, wälzte sich auf dem Boden und war beständig im Angriff! Zwischen den Liedern konnte man hören und sehen daß er außer Atem war. Es gibt sicher Leute die besser singen können, aber die sind nicht so unterhaltsam! Man sollte ihm vielleicht mal etwas Ausdauertraining verpassen und gut füttern! Mit “Suburban Home” gab es auch noch ein Descendents Cover und nach weniger als 20 Minuten ist auch schon alles vorbei. Ich fands gut! Das Demo der Band kann man übrigens hier herunterladen.
Weiter ging es mit Burn Alaska – angekündigt als New Modern Oldschool. Ich kann mit vielem neumodischen Hardcore leider nix anfangen. Zu oft ist das einfach mittelschnelle harte Musik über die dann geschrien oder gegrunzt wird. Hier ist es teilweise so. Aber der Sänger weist darauf hin er sei erkältet und würde sich viel mehr Metal anhören als eigentlich beabsichtigt ist. Er ist also entschuldigt. Grade die Jungs von Cutting Class feiern auch gut mit in der ersten Reihe. Cutting Class machen den Abschluß. Ganz zu Anfang fangen ein paar Jungs das Pogen an, was sich aber irgendwann legt. Die Band geht gut ab und nicht nur die Leute von Burn Alaska singen mit. Es gibt die üblichen HC-Szenen: Mikro ins Publikum halten und am Ende Stagedived der eine Guitarist auch noch. Zwischen den Songs bedankt sich die Band bei so ziemlich jedem und kommt sehr sympathisch rüber.
Als alles vorbei ist verlasse ich den Club relativ schnell und gebe mein letztes Geld noch für einen Mitternachtsimbiß aus. Netter Abend!
Es ist wirklich Zeit die Seite hier mal zu updaten. Ich habe noch gar nicht den Bericht von der Show letzte Woche geschrieben. Auch wenn das jetzt nicht chronologisch in der richtigen Reihenfolge ist, so fange ich doch erst mal mit dem Konzert gestern an.
Cobretti / Tackleberry @ Limes, Köln 19/2/2010
Nanu? Erst geht ich jahrelang gar nicht ins Limes und nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr? Was ist denn da los? Naja – Konzerte halt die mich interessieren. Außerdem ist der Laden gut erreichbar wenn man mit dem Auto unterwegs ist und aus dem elterlichen Haushalt anreist. Und sich zwei Hardcore Band anzuschauen ist allemal besser als an einem Freitag Abend zu Hause herumzusitzen. Beide Kappellen habe ich auch letztes Jahr auf den Heartcoretagen (Fotos) gesehen und hatte sie noch in ganz guter Erinnerung.
Eigentlich erwartete ich daß es relativ früh losgeht, zumindest deutete ich den Flyer der “20 Uhr” mit einem fetten Ausrufezeichen drauf hatte deart. Das erwies sich dann doch als Fehleinschätzung, die Bands begannen erst gegen 21.15 Uhr. Die Zwischenzeit wurde mit Konversation überbrückt. War es anfangs noch gut gefüllt so wurde das Limes später wirklich voll. So hatte die Wartezeit ja doch ihr gutes.
Tackleberry spielten als erste. Ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie kickt mich die Band nicht so wirklich. Die Mucke ist eigentlich ganz geil und so aber mitreißen können mich die vier Kieler nicht. Das ging mir auch schon so als ich mal in ihre letzte Platte reingehört habe. Die Stimmung ist auch beim Rest des Publikums eher verhalten. Es wird geklatscht nach den Songs aber dann stellt sich so eine komische Stille ein. Und so bleibt der Höhepunkt des Auftritts der Moment wo der Sänger das Mikro durch die Luft wirbelt, mich und meinen Nebenmann trifft, das Mikro fliegt von der Schnur irgendwo in Ecke. Ich hebe es auf, baue es wieder zusammen und reiche es wieder auf die Bühne. Das war immerhin dilletantisch-lustig.
Bei Cobretti stimmte dann aber alles. Die Jungs machen Spaß. Da macht es auch nichts wenn beim Bass der Gurt nicht mehr hält, oder man von den herumspringenden Leuten in die PA und Mikros geschubst wird. Die Bühne hat an sich nur ein paar Zentimeter Höhe, aber trotzdem klebten Stagediver an der Decke. Die 20% die mir bei Tackleberry gefehlt haben bringen Cobretti mir und legen nochmal 20% drauf! Da es so voll ist wird der Raum auch warm, groß ist der Teil in dem die Bands spielen ohnehin nicht. So wird jedenfalls ne Schweiß treibende Show draus. Am Ende gibts auch noch ne Zugabe. Genau wie es sein soll.
Street Rovers Union / Mastodontti / Team Kleffbotze
@ Limes, Köln – 29. Januar 2010
Aus diversen Gründen und unter verschiedenen Vorwänden schaute ich mir nach der gestrigen Show im Bla das gleiche auch nochmal im Limes in Köln an. Ein netter Punkrockladen in den ich es aber seit dessen Eröffnung noch nicht geschafft hatte. Dabei kenn ich den Lars doch! Ein peinlicher Missstand der zu beheben war. Zusätzlich zu den zwei finnischen Bands spielten auch noch Team Kleffbotze aus Bonn – die wollte ich mir auch mal ansehen. Das Limes liegt in Mülheim ist daher für Kölner Verhältnisse recht abgelegen. Da ich aber aus dem Bergischen Land kam, lag es auf dem Weg. Bei meiner Ankunft war die Stimmung auch gut – hatte der FC St. Pauli doch grade sein Spiel gewonnen, was den bekennenden Fans natürlich gefiel.
Eine Bühne hat das Limes nicht, im hinteren Bereich wird ein Raum freigeräumt der auch nur von einem halb-dunklen Kronleuchter in ein gedämpftes Licht gesetzt wird. Team Kleffbotze machen den Auftakt. Blöder Bandname, der auch nachdem ich ihn mir habe erklären lassen nicht besser wird. Man merkt leider daß es der erste Auftritt des Quartettes ist, weil die Performance ist alles andere als flüssig. Daß man den Gesang nicht versteht kann man der Band allerdings nicht anlasten, das geht auf die Kappe der PA. Geboten wird trotzdem irgendwie melodischer Punkrock, wobei ich mir über die Anleihen und Einflüsse nicht so 100% klar bin. Wenns nach dem Tshirts geht dann Dean Dirg, Hot Water Music und Ultimate Fighting. Äh – ja. Gemäß dem Bandmotto “Das ist Bonn nicht Gainsville” gibts es dafür aber Bärte und Flannelhemd. Jetzt nur noch dem Bassisten nen Haarschnitt verpassen und den Fünfsaiter austauschen und dann wird das schon noch was!
Ich bin mir nicht sicher was Roland den Jungs von Mastodontti ins Frühstück, Mittag- oder Abendessen getan hat, aber die Band spielt heute mindestens dreimal besser als am Tag zuvor. Von Anfang an geht es einfach nur voll nach vorne los und wo ich gestern “rotzigen Punkrock” gehört habe so wird mir heute astreiner Hardcore um die Ohren gehauen. Der Leadgitarrist wird zur absoluten Bühnensau (auch ohne Bühne) und springt und läuft ins Publikum und macht eine richtig gute Show. Macht richtig Spaß! Street Rovers Union klingen immernoch wie Youth Brigade haben aber ebenfalls einen Gang im Vergleich zum Vortag hochgeschaltet. Das Publikum fängt das Tanzen an, mehr muss man nicht sagen.
Dennoch verlasse ich das Limes vor dem Ende der Show, will ich doch noch ein weiteres Konzert im Sonic Ballroom besuchen. Das klappt aber alles irgendwie nicht. Zuerst verfahre ich mich in Köln, und als ich dann doch dort ankomme ist der Laden soo voll daß keiner mehr reingelassen wird. Sprich: mehr als ausverkauft. Find ich aber gar nicht soo schlimm, komme ich so immerhin früher ins Bett. Auf dem Rückweg nach Bonn fängt der versprochene Schneefall an. Ich beende die beiden Tage so wie ich sie begonnen habe: Mit einer Pommes in der Frittebud.
The Cute Lepers / The Dimensions
@ Sonic Ballroom, Köln
Ich weiß nicht wie lange ich schon in den Sonic Ballroom gehe, aber in dieser Nacht gab es nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Premieren und sie passierten alle während der Cute Lepers Show, auch wenn die Band damit nichts zu tun hatte. Tags zuvor hatte ich Justin aus Vancouver getroffen der grade einen einmonatigen Europatrip macht. Er kennt Kicks von früher und freute sich die Band zu sehen. Mit dem Zug gings nach Köln und wir erschienen relativ früh im Ballroom. Anfangs war noch nicht viel los, aber der durchschnittliche Kölner Konzertbesucher kennt es wohl nicht anders das die Shows spät starten und hat seinen Terminkalender entsprechend angepasst. So hatte ich immerhin genug Zeit um mich um meinen Fotokram zu kümmern.
Das bringt uns zur ersten Premiere: Oft bin ich der einzige Fotograf in dem Laden. Damit man das nicht falsch versteht: Natürlich sind da immer haufenweise Leute die eine Kamera mitbringen. Dennoch bin ich meist der einzige auf “anspruchsvollere” Konzertfotografie spezialisierte Fotograf. Ab und zu gibts da noch jemanden. Jedenfalls lege ich gerade zwei zusätzliche funkgezündete Blitze in den hinteren Teil der Bühne da meint jemand anderes “Oh das ist ne gute Idee mit dem Platz da, da leg ich auch gleich mal einen hin.” Gesagt getan. Macht mir ja nix aus, aber das habe ich da so noch nicht erlebt. Nen extra-Blitz zu benutzen ist auch eher ungewöhnlich bei den Konzertfotografen. Naja – ich muss zugeben ich habe das auch im Ballroom gelernt. Vom einem brasilianischen Fotografen namens Mateus Mondini. Einfach mal googeln!
Den Auftakt machen the Dimensions. Ich hatte die schonmal gehört und eigentlich nen ganz guten Eindruck von der Band. Leider können sie Live da nicht mithalten. Allerdings sind die Jungs jünger als ich erwartet habe, da ist also noch Zeit sich zu entwickeln. Ihr garagiger Punkrock kann nicht überzeugen. Irgendwie fehlt Energie und Leidenschaft. Der Sänger/Gitarrist scheint zwischen den Songs gelangweilt zu sein. Die Tatsache, dass er sich beim letzten Song mit nichts außer dem Micro auf den Boden wirft ändert an dem Eindruck auch nichts mehr. Ein anderes Mal vielleicht.
In der Pause gab es Premiere #2: Plötzlich bekomme ich Bauchschmerzen und mein Unterleib teilt mir mit, dass ich mal auf die Toilette muss. Jetzt sofort! So nutze ich also das Klo des Ballroom zum allerersten Mal um ein großes Geschäft zu machen. Die Tür lässt sich nicht richtig schließen und das Klopapier ist so angebracht, dass ich mich komisch verdrehen muss wenn ich zugreife, und einen Toilettensitz gibt es auch nicht. Also, falls ich in den nächsten Tagen an einer unbekannten Krankheit sterbe, dann denkt nicht an Schweinegrippe sondern es ist was das ich mir auf dem Klo eingefangen habe!
Schließlich die Cute Lepers. Die Bühne ist fast nicht groß genug für alle 6 (naja sie haben dort auch schon mit 7 Leuten gespielt). Im Vergleich zur letzten Tour im Februar gibt es drei Umbesetzungen: Chris Brief am Schlagzeug, was uns ein 3/4 des Briefs-Lineup gibt. Nach dem tragischen Tod von Travis im März gibt es einen neuen Gitarristen und eine zweite Dame an den Backing Vocals. Sie alle machen einen guten Job. Als es losgeht taucht auch ein dritter Fotograf auf, was jetzt auch schon keine große Sache mehr ist.
Die Setlist besteht aus vielen neuen Songs, hat die Band doch gerade ein neues Album aufgenommen, und natürlich alten Hits. Die Show ist sehr gut. Ich habe selten soo viele tanzende Leute bei einem Pop-Punk Konzert an einem Mittwoch Abend gesehen. Der Laden hat sich mittlerweile gut gefüllt und die Leute sind betrunken und wollen pogen. Mir gefällt vor allem der neue instrumentale Song (naja nun wo ich die Platte gehört habe weiß ich auch, dass er ein paar Hintergrund Gesangsteile hat). Ich singe so gut mit wie ich kann, die anderen auch. Sogar Justin, der auf Konzerten immer irgendwie gelangweilt aussieht, sieht gut unterhalten aus. Kicks widmet ihm auch einen Song. Als alles vorbei ist haben wir leider nicht mehr viel Zeit, denn der letzte Zug zurück nach Bonn wartet. Aber es gibt noch etwas small Talk mit Kicks und Steve E Nix.
Fehlt noch Premiere Nummer 3: Es gibt eine neue Lichtanlage im Ballroom! Wo vorher beschissenes rotes Licht alleine war da gibt es nun etwas weniger beschissenes buntes LED Licht. Immerhin kann man damit einigermaßen brauchbare Fotos ohne Blitz machen. Na, da hätte ich mir die #1 ja auch sparen können…
Jello Biafra & the Guantanamo School of Medicine
@ Underground, Köln
Hey Köln – Was soll das? Wieso finden an einem Abend gleich drei Konzerte statt die ich alle sehen möchte? Noch dazu alle im Umkreis von 500 Metern? Und dann noch an einem Donnerstag? Es hat mich einige Zeit gekostet und dann habe ich mich entschieden: Ich gehe nicht zu Municipal Waste, ich gehe nicht zu Idle Hands, ich gehe zu Jello Biafra! Und ich darf vorwegnehmen: Ich habe es nicht bereut!
Zunächst mal wurde die Show von der Live Music Hall ins Underground verlegt. Gute Sache, wer mag schon große Hallen und große Bühnen? Es war auch schnell deutlich das es voll werden würde, zumindest war der Biergarten gut gefüllt als ich dort eintrag. Und das nicht bei Traumwetter, es war erstaunlich kühl. Die grotenschlechte kubanische Thrash-Metalband tat auch ihren Teil dazu die Halle leer und den Biergarten voll zu machen. Nachdem ich bei Myspace mal reingehört hatte, habe ich gleich einen großen Bogen drum gemacht.
Gegen 22uhr kommt dann schließlich Jello samt Band auf die Bühne, vom Publikum freundlich erwartet. Er trägt einen fiesen Umhang, von dem ich gar nicht zu wagen denke wo man sowas kaufen kann. Es dauert ungefähr 3 Sekunden und man hört das erste Mal diese einzigartige Stimme! Nicht zu Unrecht hat Jello grade durch sie seinen Status als Punklegende erhalten. Aber er punktet nicht nur durch den Klang seines Organes. Jello entfacht von Anfang an einen Wirbel auf der Bühne. Er läuft von links nach rechts und wieder zurück, er lehnt sich zum Publikum und ist ständig in Bewegung. Das einzige was noch mehr Action macht sind einmal seine Hände, und sein Gesicht. Es gibt eine Flut von Gesten und Grimassen. Andauernd stellt er mit seinen Händen eine Art Pantomime dar, passend zum Song. Ich kann es gar nicht erklären, aber wenn es darum geht das die großen Firmen und Politiker die kleinen Leute fertig machen, dann stellt er das halt mit den Händern nach. Und dazu Grimassen wie sei kein Topmodel und kein Schauspieler hinbekommt. Eine Stunde lang. Unterbrochen wird das ganze nur durch ein paar Ansagen, was die Songs bedeuten und er richtet sich damit natürlich gegen aktuelle politische Entwicklungen. Es gibt einen Song gegen die Privatisierung von Gefängnissen, einen gegen die Bushregierung, einen zu Obama usw..
Musikalisch erinnern die Songs stark an die letzten Sachen die er mit den Melvins gemacht hat. Schwere Guitarren, trotzdem eingängig, nicht wirklich extrem schnell. Und halt seine Stimme drüber. Obwohl man die Songs nicht kennt (das Album erscheint erst im Oktober) so ertappe ich mich doch dabei gleich ein paar mitzusingen. Ich werd auf jeden Fall reinhören wenn die Platte draußen ist! Die uneingeschränkten Fanfovoriten sind natürlich die eingestreuten Dead Kennedys Klassiker (California über alles in der Version mit den Melvins, Police Truck, Lets lynch the landlord, Holiday in Cambodia). Die Leute die auch sonst schon fleißig tanzen gehen noch mehr ab. Jello stagedived dazu mehrfach! Spass pur.
Nach ungefähr einer Stunde ist alles vorbei und allen hat es gefallen. Ich gehe anschließend noch in den Sonic Ballroom um Poster und Flyer unter die Leute zu bringen. Da ist auch gute Stimmung. Auf dem Weg zur Bahn kommt mir noch die Hälfte von Municipal Waste entgegen. So hab ich am Ende ja doch alle gesehen. Irgendwie.
Ich sitze im Zug auf dem Rückweg vom Propagandhi Konzert Tags zuvor als mich die SMS mit dem Hinweis erreicht da sei noch ein Platz im Auto frei zum No Means No Konzert am Abend. Nun habe ich zwar wirklich keinen Mangel an Livemusik und NMN auch schon mehrfach gesehen, aber jede Show bislang war großartig – ich kann also gar nicht nein sagen.
Alle Mitfahrer waren so schlau sich vorher Karten zu besorgen und können daher in Köln angekommen erstmal am Kiosk halt machen, ich hingegen suche erstmal die Abendkasse auf. Direkt anschließend geht es auch schon los. AMPERSAND geben die Vorband. Mich können die Kölner allerdings nicht begeistern. Ich schaue sie mir für geschätzte zwei Songs an und entscheide mich dann dafür doch lieber nochmal frische Luft schnappen. Etliche Freunde und Bekannte teilen meine Meinung und so machen wir es uns auf dem Bänken vor der Halle bequem.
Kurz nach 22 Uhr kommen dann die Brüder John und Rob Wright sowie Gitarrist Tom Holliston auf die Bühne. Das Gebäude 9 ist zwar sehr gut gefüllt, aber dennoch ergattere ich einen Platz ganz vorne, was perfekt zu meinem Vorhaben passt mal wieder ein paar Fotos zu machen. Das Licht ist gut und das Schlagzeug ist fotografenfreundlich am Bühnenrand aufgebaut und ich gleich daneben.
Es dauert nur bis zum zweiten Lied und ich weiß der Abend wird groß. Endlich gelange ich mal in den Genuß “Oh No! Bruno!” live zu hören! Überhaupt: No Means No sind live eine Wucht! Was die drei alten Herren (das muss man so sagen!) da auf der Bühne veranstalten ist atemraubend. Allein John Schlagzeugspiel – die Geschwindigkeit, Präzision und Komplexität – finde ich als doch eher primitiver Punkrocker einfach nur faszinierend. Und ich spreche jetzt von einem ganz normalen Song nicht von irgendeinem albernen Solo oder Angeber-Teil. Robs Basspiel treibt die Songs voran und Tom holt aus seiner Gitarre einfach alles raus. Erfrischend finde ich das da grade mal zwei Fußpedale vor ihm liegen, wenn ich daran denke was so mancher Indie-Gitarrist an Effektgeräten mitbringt… Am besten ist jedoch die gute Laune die von der Bühne strömt. Mag die Musik auch noch so verspielt und komplex sein, die drei haben sichtlich Spaß an dem was sie da tun. Es wird rumgealbert, Bier getrunken, lustige Grimassen geschnitten und man merkt daß da noch ein gehöriges Stück Kind-im-Mann bei allen zu finden ist. Irgendwann wende ich dann doch mal meinen Blick von der Bühne und sehe daß hinter mir die halbe Halle in Bewegung ist. Da wird getanzt, gesprungen, mitgesungen. Und das mitten im Sommer. Eine Zeit lang stellt sich ein großer Kerl neben mich, der wahnsinnig schwitzt. Als er wieder geht ist die ganze Seite meines Tshirts nass… unglaublich. So geht das mehr als eineinhalb Stunden, es gibt alte Klassiker und ganz neue Songs und die Leute toben. Einmal mehr eine überragende Show der Kanadier.