Jello Biafra & the Guantanamo School of Medicine
@ Underground, Köln
Hey Köln – Was soll das? Wieso finden an einem Abend gleich drei Konzerte statt die ich alle sehen möchte? Noch dazu alle im Umkreis von 500 Metern? Und dann noch an einem Donnerstag? Es hat mich einige Zeit gekostet und dann habe ich mich entschieden: Ich gehe nicht zu Municipal Waste, ich gehe nicht zu Idle Hands, ich gehe zu Jello Biafra! Und ich darf vorwegnehmen: Ich habe es nicht bereut!
Zunächst mal wurde die Show von der Live Music Hall ins Underground verlegt. Gute Sache, wer mag schon große Hallen und große Bühnen? Es war auch schnell deutlich das es voll werden würde, zumindest war der Biergarten gut gefüllt als ich dort eintrag. Und das nicht bei Traumwetter, es war erstaunlich kühl. Die grotenschlechte kubanische Thrash-Metalband tat auch ihren Teil dazu die Halle leer und den Biergarten voll zu machen. Nachdem ich bei Myspace mal reingehört hatte, habe ich gleich einen großen Bogen drum gemacht.
Gegen 22uhr kommt dann schließlich Jello samt Band auf die Bühne, vom Publikum freundlich erwartet. Er trägt einen fiesen Umhang, von dem ich gar nicht zu wagen denke wo man sowas kaufen kann. Es dauert ungefähr 3 Sekunden und man hört das erste Mal diese einzigartige Stimme! Nicht zu Unrecht hat Jello grade durch sie seinen Status als Punklegende erhalten. Aber er punktet nicht nur durch den Klang seines Organes. Jello entfacht von Anfang an einen Wirbel auf der Bühne. Er läuft von links nach rechts und wieder zurück, er lehnt sich zum Publikum und ist ständig in Bewegung. Das einzige was noch mehr Action macht sind einmal seine Hände, und sein Gesicht. Es gibt eine Flut von Gesten und Grimassen. Andauernd stellt er mit seinen Händen eine Art Pantomime dar, passend zum Song. Ich kann es gar nicht erklären, aber wenn es darum geht das die großen Firmen und Politiker die kleinen Leute fertig machen, dann stellt er das halt mit den Händern nach. Und dazu Grimassen wie sei kein Topmodel und kein Schauspieler hinbekommt. Eine Stunde lang. Unterbrochen wird das ganze nur durch ein paar Ansagen, was die Songs bedeuten und er richtet sich damit natürlich gegen aktuelle politische Entwicklungen. Es gibt einen Song gegen die Privatisierung von Gefängnissen, einen gegen die Bushregierung, einen zu Obama usw..
Musikalisch erinnern die Songs stark an die letzten Sachen die er mit den Melvins gemacht hat. Schwere Guitarren, trotzdem eingängig, nicht wirklich extrem schnell. Und halt seine Stimme drüber. Obwohl man die Songs nicht kennt (das Album erscheint erst im Oktober) so ertappe ich mich doch dabei gleich ein paar mitzusingen. Ich werd auf jeden Fall reinhören wenn die Platte draußen ist! Die uneingeschränkten Fanfovoriten sind natürlich die eingestreuten Dead Kennedys Klassiker (California über alles in der Version mit den Melvins, Police Truck, Lets lynch the landlord, Holiday in Cambodia). Die Leute die auch sonst schon fleißig tanzen gehen noch mehr ab. Jello stagedived dazu mehrfach! Spass pur.
Nach ungefähr einer Stunde ist alles vorbei und allen hat es gefallen. Ich gehe anschließend noch in den Sonic Ballroom um Poster und Flyer unter die Leute zu bringen. Da ist auch gute Stimmung. Auf dem Weg zur Bahn kommt mir noch die Hälfte von Municipal Waste entgegen. So hab ich am Ende ja doch alle gesehen. Irgendwie.
Kategorien: Musik
Tags: Jello Biafra, Köln, Konzert, Underground
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