Einträge aus 2009

Irgendwie peinlich

 - Dez 11th

Wenn die in der Bahnhofsbuchhandlung umgeräumt haben und man auf einmal interessiert schauend vor den Yoga und Astrologiezeitschriften steht…

Geschrieben am: 11. Dezember 2009
Kategorien: Persönlich
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The Cute Lepers / The Dimensions

 - Dez 2nd

The Cute Lepers / The Dimensions
@ Sonic Ballroom, Köln

Ich weiß nicht wie lange ich schon in den Sonic Ballroom gehe, aber in dieser Nacht gab es nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Premieren und sie passierten alle während der Cute Lepers Show, auch wenn die Band damit nichts zu tun hatte. Tags zuvor hatte ich Justin aus Vancouver getroffen der grade einen einmonatigen Europatrip macht. Er kennt Kicks von früher und freute sich die Band zu sehen. Mit dem Zug gings nach Köln und wir erschienen relativ früh im Ballroom. Anfangs war noch nicht viel los, aber der durchschnittliche Kölner Konzertbesucher kennt es wohl nicht anders das die Shows spät starten und hat seinen Terminkalender entsprechend angepasst. So hatte ich immerhin genug Zeit um mich um meinen Fotokram zu kümmern.

Das bringt uns zur ersten Premiere: Oft bin ich der einzige Fotograf in dem Laden. Damit man das nicht falsch versteht: Natürlich sind da immer haufenweise Leute die eine Kamera mitbringen. Dennoch bin ich meist der einzige auf “anspruchsvollere” Konzertfotografie spezialisierte Fotograf. Ab und zu gibts da noch jemanden. Jedenfalls lege ich gerade zwei zusätzliche funkgezündete Blitze in den hinteren Teil der Bühne da meint jemand anderes “Oh das ist ne gute Idee mit dem Platz da, da leg ich auch gleich mal einen hin.” Gesagt getan. Macht mir ja nix aus, aber das habe ich da so noch nicht erlebt. Nen extra-Blitz zu benutzen ist auch eher ungewöhnlich bei den Konzertfotografen. Naja – ich muss zugeben ich habe das auch im Ballroom gelernt. Vom einem brasilianischen Fotografen namens Mateus Mondini. Einfach mal googeln!

Den Auftakt machen the Dimensions. Ich hatte die schonmal gehört und eigentlich nen ganz guten Eindruck von der Band. Leider können sie Live da nicht mithalten. Allerdings sind die Jungs jünger als ich erwartet habe, da ist also noch Zeit sich zu entwickeln. Ihr garagiger Punkrock kann nicht überzeugen. Irgendwie fehlt Energie und Leidenschaft. Der Sänger/Gitarrist scheint zwischen den Songs gelangweilt zu sein. Die Tatsache, dass er sich beim letzten Song mit nichts außer dem Micro auf den Boden wirft ändert an dem Eindruck auch nichts mehr. Ein anderes Mal vielleicht.

In der Pause gab es Premiere #2: Plötzlich bekomme ich Bauchschmerzen und mein Unterleib teilt mir mit, dass ich mal auf die Toilette muss. Jetzt sofort! So nutze ich also das Klo des Ballroom zum allerersten Mal um ein großes Geschäft zu machen. Die Tür lässt sich nicht richtig schließen und das Klopapier ist so angebracht, dass ich mich komisch verdrehen muss wenn ich zugreife, und einen Toilettensitz gibt es auch nicht. Also, falls ich in den nächsten Tagen an einer unbekannten Krankheit sterbe, dann denkt nicht an Schweinegrippe sondern es ist was das ich mir auf dem Klo eingefangen habe!

Schließlich die Cute Lepers. Die Bühne ist fast nicht groß genug für alle 6 (naja sie haben dort auch schon mit 7 Leuten gespielt). Im Vergleich zur letzten Tour im Februar gibt es drei Umbesetzungen: Chris Brief am Schlagzeug, was uns ein 3/4 des Briefs-Lineup gibt. Nach dem tragischen Tod von Travis im März gibt es einen neuen Gitarristen und eine zweite Dame an den Backing Vocals. Sie alle machen einen guten Job. Als es losgeht taucht auch ein dritter Fotograf auf, was jetzt auch schon keine große Sache mehr ist.

Die Setlist besteht aus vielen neuen Songs, hat die Band doch gerade ein neues Album aufgenommen, und natürlich alten Hits. Die Show ist sehr gut. Ich habe selten soo viele tanzende Leute bei einem Pop-Punk Konzert an einem Mittwoch Abend gesehen. Der Laden hat sich mittlerweile gut gefüllt und die Leute sind betrunken und wollen pogen. Mir gefällt vor allem der neue instrumentale Song (naja nun wo ich die Platte gehört habe weiß ich auch, dass er ein paar Hintergrund Gesangsteile hat). Ich singe so gut mit wie ich kann, die anderen auch. Sogar Justin, der auf Konzerten immer irgendwie gelangweilt aussieht, sieht gut unterhalten aus. Kicks widmet ihm auch einen Song. Als alles vorbei ist haben wir leider nicht mehr viel Zeit, denn der letzte Zug zurück nach Bonn wartet. Aber es gibt noch etwas small Talk mit Kicks und Steve E Nix.

Fehlt noch Premiere Nummer 3: Es gibt eine neue Lichtanlage im Ballroom! Wo vorher beschissenes rotes Licht alleine war da gibt es nun etwas weniger beschissenes buntes LED Licht. Immerhin kann man damit einigermaßen brauchbare Fotos ohne Blitz machen. Na, da hätte ich mir die #1 ja auch sparen können…

Geschrieben am: 2. Dezember 2009
Kategorien: Musik
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Speedfest Eindhoven

 - Nov 28th

Jedes Jahr laden die holländischen Rocker von Peter Pan Speedrock zu einer großen Party ein und lassen dort immer einen Haufen ihrer Lieblingsbands spielen. So machte ich mich also nach Eindhoven auf um eine bunte Mischung aus Punk/Rock/Metal Kapellen zu sehen.

Wie das bei den Holländern nunmal so ist, schaffen es unsere Nachbarn auch immer wieder einen völlig verwundert stehen zu lassen. Es fängt damit an, daß das Mädchen am Presseeingang erst beim zweiten Versuch in der Lage ist den Namen von meinem Ausweis richtig zu lesen und ihrer Liste zu finden. Als nächstes gibt es Getränke und Futter nur gegen Münzen. Die muß man allerdings an einem Automaten erwerben. Cash oder EC Karte. Das Ding will aber mindestens 15€ sehen, nur um einem dann 4€ als Wechselgeld zu geben und 5 Münzen dazu. Getränke 1 Münze, äh halt es gab auch Sachen auf der Karte die 1,5 Münzen kosten?! – Ja da wird die einfach in der Mitte durchgebrochen. Kopfschütteln.

Das Klokgebouw stellt sich als riesige ehemalige Lagerhalle heraus. Wobei die in vier Bereiche unterteilt ist, jeweils zweimal eine allein schon riesige Halle mit Bühne, ein dritter Raum mit einer kleineren Bühne und dann nochmal einer mit der Gastronomie und Bänken. Ich habe schon Open-Airs erlebt, die auf weniger Raum stattfanden… Trotzdem ist es nur am Anfang leer und später zeigen sich alle Räume gut gefüllt. Da das Programm zwischen den Bühnen wechselt, gibt es ein fleißiges hin- und her.

Das Publikum spiegelt irgendwie die Bandauswahl ziemlich gut wieder: Viele Leute aus der Schnittmenge zwischen Punk und Rock, nicht die Asseln, sondern mehr die etwas gestyltere Variante. So Turbojugendliche etc.. Dazwischen einige Metaller und Psychobillys. Ich glaube ich war einer der 3 Leute die nicht tätowiert waren.

Musik gab es natürlich auch: Den Auftakt machen die Accelerators aus Rotterdam. Die Jungs haben dieses Jahr ihre Debut-Platte veröffentlicht, die meiner Meinung nach absolut großartig ist. Leider hat sich das noch nicht rumgesprochen und als erste Band hat man es ohnehin schwer. Trotzdem eine gute Performance. Dummerweise ist das Licht am Anfang einfach nur Mist, da hat der Lichtmensch wohl noch gepennt. Ärgerlich wenn man Fotos machen will. Erst in der Mitte des Sets kommen all die schönen Lichter zum Einsatz.

Rüber zur nächsten Bühne: Gewapened Beton. Gibt es sowas wie ein holländisches Pendant zu Deutsch-Punk? Ich glaube ja. Auch wenn die Hälfte der Songs auf Englisch sind.

The Shavers – Puh der Sänger ist eindeutig ein Original, ich kann es kaum in Worte fassen. Die Musik ist eher primitiver Rock’n'Roll mit Surfguitarre. Als dann noch eine Tänzerin auftritt, muss man schon zugeben, daß es unterhaltsam ist.

Banane Metalik machen Psychobilly mit dem ganzen Kram, der dazu gehört: Verkleidung, Makeup, Nebel, Kontrabass. Irgendwie kriege ich von der Musik nicht viel mit, weil ich krampfhaft versuche trotz Nebel und Gegenlicht irgendwelche Bilder hinzubekommen.

Valient Thorr hingegen können mit ihrer Mischung aus Glammetal und Trash schon deutlich mehr überzeugen. Die haben auch alle die passenden Haare, um so richtig zu Headbangen. Das macht Laune!

Die belgischen Triggerfinger machen eher klassischen Rock, kriegen aber sehr gute Noten in der B-Wertung für die eindeutig am besten gekleidete Band des Tages. Anzüge und so. Der Sänger sieht aus wie eine zersauste Variante von Sean Connery und der Bassist wie Markus Maria Profitlich.

Coffin Nails schau ich mir nur kurz an. File under: belangloser Rockabilly.

In der Zwischenzeit gehe ich auch mal etwas essen. Der DJ in der einen Halle spielt irgendwelche mir unbekannten Party Hits, mit dem Ergebnis das tatsächlich Leute auf den Tischen tanzen. Es hat so was von Oktoberfest. Puh. Das geht gar nicht!

Es folgt das Highlight des Tages: Die New Bomb Turks rocken wie die Hölle. 3/4 der Band machen nicht viel, aber dafür macht der Sänger umso mehr Alarm. Ständig ist er in Bewegung, springt durch die Luft, fummelt den Security Leuten am Kopf herum, animiert die Fotografen zum mitsingen, surft mehrfach durchs Publikum. Große Show! Ich steige extra im hinteren Teil der Halle an einem Pfeiler hoch um noch mehr Bilder zu machen und genieße jeden Moment.

Karma to Burn machen so langweiligen Stonerrock, daß ich nach einem Song wieder gehe.

Jetzt geht die Party richtig los, denn als nächstes sind die Gastgeber selbst an der Reihe: Peter Pan Speedrock geben sich die Ehre. Naja, man kennt die Herren ja. Live eine Wucht, der Mann weiß schon wie man Gitarre spielt. Das Publikum ist hier um sie zu sehen und geht ordentlich ab.

Es folgen die US Bombs mit einem wie sie selbst betonen “1997-Lineup”. Hmm, ich hab die schon in den 90ern nicht verfolgt. Warum trägt der gute Duane nur einen Revolver am Gürtel? Cowboy? Kann mich nicht überzeugen.

Danach bin ich nach Hause gefahren. Es haben noch Death Angel und GBH gespielt. Allerdings waren 8 Stunden Festival genug für mich.

Geschrieben am: 28. November 2009
Kategorien: Musik
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Jello Biafra & the GSM

 - Sep 3rd

Jello Biafra & the Guantanamo School of Medicine
@ Underground, Köln

Hey Köln – Was soll das? Wieso finden an einem Abend gleich drei Konzerte statt die ich alle sehen möchte? Noch dazu alle im Umkreis von 500 Metern? Und dann noch an einem Donnerstag? Es hat mich einige Zeit gekostet und dann habe ich mich entschieden: Ich gehe nicht zu Municipal Waste, ich gehe nicht zu Idle Hands, ich gehe zu Jello Biafra! Und ich darf vorwegnehmen: Ich habe es nicht bereut!

Zunächst mal wurde die Show von der Live Music Hall ins Underground verlegt. Gute Sache, wer mag schon große Hallen und große Bühnen? Es war auch schnell deutlich das es voll werden würde, zumindest war der Biergarten gut gefüllt als ich dort eintrag. Und das nicht bei Traumwetter, es war erstaunlich kühl. Die grotenschlechte kubanische Thrash-Metalband tat auch ihren Teil dazu die Halle leer und den Biergarten voll zu machen. Nachdem ich bei Myspace mal reingehört hatte, habe ich gleich einen großen Bogen drum gemacht.

Gegen 22uhr kommt dann schließlich Jello samt Band auf die Bühne, vom Publikum freundlich erwartet. Er trägt einen fiesen Umhang, von dem ich gar nicht zu wagen denke wo man sowas kaufen kann. Es dauert ungefähr 3 Sekunden und man hört das erste Mal diese einzigartige Stimme! Nicht zu Unrecht hat Jello grade durch sie seinen Status als Punklegende erhalten. Aber er punktet nicht nur durch den Klang seines Organes. Jello entfacht von Anfang an einen Wirbel auf der Bühne. Er läuft von links nach rechts und wieder zurück, er lehnt sich zum Publikum und ist ständig in Bewegung. Das einzige was noch mehr Action macht sind einmal seine Hände, und sein Gesicht. Es gibt eine Flut von Gesten und Grimassen. Andauernd stellt er mit seinen Händen eine Art Pantomime dar, passend zum Song. Ich kann es gar nicht erklären, aber wenn es darum geht das die großen Firmen und Politiker die kleinen Leute fertig machen, dann stellt er das halt mit den Händern nach. Und dazu Grimassen wie sei kein Topmodel und kein Schauspieler hinbekommt. Eine Stunde lang. Unterbrochen wird das ganze nur durch ein paar Ansagen, was die Songs bedeuten und er richtet sich damit natürlich gegen aktuelle politische Entwicklungen. Es gibt einen Song gegen die Privatisierung von Gefängnissen, einen gegen die Bushregierung, einen zu Obama usw..

Musikalisch erinnern die Songs stark an die letzten Sachen die er mit den Melvins gemacht hat. Schwere Guitarren, trotzdem eingängig, nicht wirklich extrem schnell. Und halt seine Stimme drüber. Obwohl man die Songs nicht kennt (das Album erscheint erst im Oktober) so ertappe ich mich doch dabei gleich ein paar mitzusingen. Ich werd auf jeden Fall reinhören wenn die Platte draußen ist! Die uneingeschränkten Fanfovoriten sind natürlich die eingestreuten Dead Kennedys Klassiker (California über alles in der Version mit den Melvins, Police Truck, Lets lynch the landlord, Holiday in Cambodia). Die Leute die auch sonst schon fleißig tanzen gehen noch mehr ab. Jello stagedived dazu mehrfach! Spass pur.

Nach ungefähr einer Stunde ist alles vorbei und allen hat es gefallen. Ich gehe anschließend noch in den Sonic Ballroom um Poster und Flyer unter die Leute zu bringen. Da ist auch gute Stimmung. Auf dem Weg zur Bahn kommt mir noch die Hälfte von Municipal Waste entgegen. So hab ich am Ende ja doch alle gesehen. Irgendwie.

Geschrieben am: 3. September 2009
Kategorien: Musik
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No Means No

 - Jul 23rd

No Means No
@ Gebäude 9, Köln

Ich sitze im Zug auf dem Rückweg vom Propagandhi Konzert Tags zuvor als mich die SMS mit dem Hinweis erreicht da sei noch ein Platz im Auto frei zum No Means No Konzert am Abend. Nun habe ich zwar wirklich keinen Mangel an Livemusik und NMN auch schon mehrfach gesehen, aber jede Show bislang war großartig – ich kann also gar nicht nein sagen.

Alle Mitfahrer waren so schlau sich vorher Karten zu besorgen und können daher in Köln angekommen erstmal am Kiosk halt machen, ich hingegen suche erstmal die Abendkasse auf. Direkt anschließend geht es auch schon los. AMPERSAND geben die Vorband. Mich können die Kölner allerdings nicht begeistern. Ich schaue sie mir für geschätzte zwei Songs an und entscheide mich dann dafür doch lieber nochmal frische Luft schnappen. Etliche Freunde und Bekannte teilen meine Meinung und so machen wir es uns auf dem Bänken vor der Halle bequem.

Kurz nach 22 Uhr kommen dann die Brüder John und Rob Wright sowie Gitarrist Tom Holliston auf die Bühne. Das Gebäude 9 ist zwar sehr gut gefüllt, aber dennoch ergattere ich einen Platz ganz vorne, was perfekt zu meinem Vorhaben passt mal wieder ein paar Fotos zu machen. Das Licht ist gut und das Schlagzeug ist fotografenfreundlich am Bühnenrand aufgebaut und ich gleich daneben.

Es dauert nur bis zum zweiten Lied und ich weiß der Abend wird groß. Endlich gelange ich mal in den Genuß “Oh No! Bruno!” live zu hören! Überhaupt: No Means No sind live eine Wucht! Was die drei alten Herren (das muss man so sagen!) da auf der Bühne veranstalten ist atemraubend. Allein John Schlagzeugspiel – die Geschwindigkeit, Präzision und Komplexität – finde ich als doch eher primitiver Punkrocker einfach nur faszinierend. Und ich spreche jetzt von einem ganz normalen Song nicht von irgendeinem albernen Solo oder Angeber-Teil. Robs Basspiel treibt die Songs voran und Tom holt aus seiner Gitarre einfach alles raus. Erfrischend finde ich das da grade mal zwei Fußpedale vor ihm liegen, wenn ich daran denke was so mancher Indie-Gitarrist an Effektgeräten mitbringt… Am besten ist jedoch die gute Laune die von der Bühne strömt. Mag die Musik auch noch so verspielt und komplex sein, die drei haben sichtlich Spaß an dem was sie da tun. Es wird rumgealbert, Bier getrunken, lustige Grimassen geschnitten und man merkt daß da noch ein gehöriges Stück Kind-im-Mann bei allen zu finden ist. Irgendwann wende ich dann doch mal meinen Blick von der Bühne und sehe daß hinter mir die halbe Halle in Bewegung ist. Da wird getanzt, gesprungen, mitgesungen. Und das mitten im Sommer. Eine Zeit lang stellt sich ein großer Kerl neben mich, der wahnsinnig schwitzt. Als er wieder geht ist die ganze Seite meines Tshirts nass… unglaublich. So geht das mehr als eineinhalb Stunden, es gibt alte Klassiker und ganz neue Songs und die Leute toben. Einmal mehr eine überragende Show der Kanadier.

Geschrieben am: 23. Juli 2009
Kategorien: Musik
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Propagandhi / Steakknife

 - Jul 22nd

Propagandhi / Steakknife@
Schlachthof Wiesbaden

Beim Spermbirds Konzert im Mai erwähnte Lee Hollis dass Steakknife ein paar Gigs als Support für Propagandhi spielen würden. Unter anderem auch im Schlachthof in Wiesbaden. Da habe ich ihn gleich gefragt ob ich da nicht mal vorbeikommen kann, zwecks Fotografieren und so. Wiesbaden ist zwar nicht um die Ecke, aber ich kann die Reise mit dem Besuch guter Freunde verbinden. Als ich meine Tasche packe muss ich selber lachen. Man nehme eine Fototasche voll mit Kamera, Objektiven, Blitz und Zubehör und quetsche in das eine verbliebene leere Fach noch schnell ein frisches Tshirt, eine zweite Unterhose, ein paar Socken und die eigene Zahnbürste. Alles andere wird man sich in der WG wo man übernachtet schon zusammenschnorren. Da muss man Prioritäten setzen. Noch ein Buch und den MP3 Player für die Zugfahrt und los gehts.
Meine Reise führt mich zunächst nach Mainz wo ich bei Freunden mein Lager aufschlage. Schnell das Ersatz-Tshirt, Hose und Socken deponiert (die ungefähr 5% des Gewichtes ausmachen) und dann relativ früh zum Schlachthof. Das Wetter ist 1A Hochsommer und so hängen draußen viele Leute rum. Das Gelände ist in den letzten Jahren komplett umgebaut worden und neben einigen neuen Geschäftshäusern gibts auch eine Art Park mit Beachvolleyball und Skatefläche und was weiß ich noch. Außerdem sind Ferien und so ist der Biergarten gut gefüllt. Ich sage Hallo zu den Jungs von STEAKKNIFE und verbringe die nächsten Stunden mit allerlei Gesprächen. So treffe ich neben den üblichen Verdächtigen auch teils erwartet, teils unerwartet ein paar alte Freunde. Zwischendurch fällt mir auf dass das Konzert wohl anscheinend im kleinen Saal stattfindet, und nicht in der großen Halle wie ich eigentlich erwartet habe. Ich mag kleine Shows ja ohnehin viel lieber, allerdings weiß ich auch wie klein und dunkel der Raum ist. Dafür kommt man aber näher ran. Da macht es sich bezahlt dass ich all den Fotokram mitgeschleppt habe. Der kleine Saal ist auch von Anfang an ausverkauft. Die erste Band geht spurlos an mir vorüber, wer will bei dem Wetter schon freiwillig in der Halle rumhängen? Kurz nach 9 übernehmen dann STEAKKNIFE die Rolle des Anheizers. Obwohl die Herren gewohnt ihr Programm präsentieren kommt doch nur langsam Stimmung auf. Fast die Hälfte des Sets gibt es direkt vor der Bühne diese berühmte Leere Stelle und alle stehen außen im Halbkreis. Ich mag STEAKKNIFE und habe nichts auszusetzen. Hoffentlich kommt da auch irgendwann mal neues Material!

Schließlich PROPAGANDHI. Die habe ich bisher einmal gesehen, ca. 1996 im Bahndamm in Wermelskirchen, damals noch in anderer Besetzung als Trio. Das war die Tour zum “Less Talk More Rock” Album. Hinterher haben sie ja ihren musikalischen Stil doch deutlich verändert. Ich muss zugeben nicht der größte Fan der neuen Sachen zu sein und bin gespannt wie sich das nun live anhört. Der Saal ist nun voll aber ich habe mir dennoch einen Platz ganz vorne gesichert, direkt vor einer Säule die die Bühne in zwei Hälften teilt. Vom ersten Akkord an ist viel Bewegung im Publikum und die Säule ist eine willkommene Stütze um nicht gleich umgerissen zu werden. Es dauert genau zehn Fotos bis mir der Stagemanager/Roadie signalisiert ich solle doch bitte ohne Blitz weitermachen. Na klasse, und das in diesem dunklen Loch? Schnell das Objektiv gewechselt und dann mal gucken was man hier machen kann. Es gibt nur wenig Licht von vorne, das trifft nur die Oberkörper der Band und der Rest ist eigentlich dunkel, ebenso wie das Publikum. Naja, nutzt ja alles nix, Blende auf, ISO auf Maximum und dann mal sehen. Am Ende bin ich ganz überrascht dass doch zumindest ein paar brauchbare Aufnahmen rausgekommen sind. Da wäre mir die große Bühne doch lieber gewesen. Der Show tut der kleine Raum aber gut. Die meisten Songs stammen von den letzten drei Alben, aber auch ein paar Klassiker wie “Haillie Sellasse” oder “and we thought nation states were a bad idea” werden gespielt. Der Sound ist beeindruckend und rein vom technischen her überzeugt die Band. Der Bassist pumpt die Hälfte der Zeit seine Faust in die Luft, während Chris sein Gesicht hinter einer tief ins Gesicht gezogenen Kappe versteckt und mit weit aufgerissenem Mund singt. Aber irgendwie will der letzte Funke Begeisterung nicht auf mich überspringen. Die Präsenz der Band wirkt auf mich zu ernst, zu statisch. Ich vermisse dieses spaßige, anarchististische, lockere, blödsinnige Moment welches im Punkrock zu Hause ist. PROPAGANDHI wirken eher wie eine Metalband, ernst, dunkel, technisch. Es gibt nur ganz wenige knappe Ansagen. Man merkt sie spielen zum Publikum nicht mit dem Publikum. Dazu passt auch, daß sich der Roadie extra ins Publikum vor Chris stellt, damit auch bloß niemand dessen Mikro umwirft. Naja den Leuten scheint es trotzdem zu gefallen, bis zum Ende ist der Saal voll und singt mit. Ich habe schwer den Verdacht dass ich dieses Konzert in der großen gehasst hätte. Doch am Ende spielen sie “Anti- Manifesto” und alles ist gut. Ich erwische sogar noch den letzten Zug nach Mainz und dort wartet auch ein Bus der mich direkt vor die Haustür der WG bringt. Müde und zufrieden schlafe ich ein. Auf die Gefahr hin alt zu klingen: die Show 1996 war trotzdem die bessere!

Geschrieben am: 22. Juli 2009
Kategorien: Musik
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